FESTIVAL CATACUMBAS — EP3 NOUADHIBOU
A Visual Generative Novel
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Der Morgen dämmert in einem trüben Sandton, der durch die Fenster des alten, halbverfallenen Gebäudes sickert, in dem wir uns versammeln.
Der Raum ist erfüllt von geschäftigem Treiben. Die drei Brüder, Bajar, Enkh und Nyam, sind in ständiger Bewegung, wie ruhelose Geister, die die letzten Vorbereitungen für unsere Reise treffen. Kabel werden herumgereicht, Pulte zurechtgerückt und schwere Kisten mit mongolischem Schnaps verstaut.
Bajar wirft mir einen bedeutungsvollen Blick zu und sagt trocken: „Den Schnaps brauchen wir für die Schakale.” Seine Worte hallen in meinem Kopf wider, während ich zusehe, wie Nyam und Enkh die schweren Behälter mit einer fast zeremoniellen Ernsthaftigkeit in das Fahrzeug laden.
Unsere Kettenfahrzeuge, massive Maschinen, die an monströse Käfer erinnern, stehen bereit. Ihre Ketten graben sich tief in den sandigen Boden, als wären sie lebendig und hungrig auf die bevorstehende Reise durch die unbarmherzige Landschaft.
Enkh beugt sich über eine alte, abgenutzte Karte, seine Finger gleiten über die Linien, die unsere Route markieren. Ein kurzer Schulterblick zu mir, ein Fingertipp auf das Papier, und es wird klar, dass es keine Rückkehr mehr geben wird. Wir verabschieden uns vom Clan, eine kurze, wortlose Zeremonie, dann steigen wir in die Kettenfahrzeuge.
Bajar sitzt schweigsam neben mir, seine Augen konzentriert auf den Weg vor uns gerichtet. „Biorhythm Blending,” murmelt er irgendwann mit rauer Stimme, als die ersten Dünen hinter uns verschwinden. „Das wird uns helfen, den Rhythmus der Natur zu finden. Es wird uns leiten.”
Seine Worte sind schwer zu begreifen, doch ich nicke nur. Die Hafenstadt, unser erster schwieriger Streckenpunkt, liegt vor uns. Die Schakale würden uns dort erwarten. Bajar spricht weiter über den Weg, den wir vor uns haben, seine Stimme ein leises Murmeln, das sich mit dem Rattern der Ketten unter uns mischt.
Die Sonne beginnt unterzugehen. Die Fahrzeuge pflügen durch den Sand, hinterlassen unsere Spur. Die Nacht bricht herein, und wir setzen unsere Reise fort, begleitet von der unheimlichen Stille der Erdoberfläche. Ich kann das Gewicht der bevorstehenden Herausforderungen in jeder Bewegung der Ketten unter uns spüren.
Ein Tag vergeht, ein endloser Strom aus Sand, Staub und Stille, unterbrochen nur vom gelegentlichen Murmeln Bajars und dem Dröhnen der Motoren. Wir haben unser Ziel vor Augen – Nouadhibou, die Stadt der Schakale, wartet auf uns.
Mittag. Die sengende Sonne steht hoch am Himmel und taucht die zerfallenen Überreste von Nouadhibou in ein trübes Licht. Der Ort liegt wie ein verwesender Kadaver vor uns, ein Sinnbild für den Verfall und die Zerstörung, die die Menschheit über sich gebracht hat.
Nach den hundertjährigen Klimakriegen hat sich die einst blühende Hafenstadt in eine Geisterstadt verwandelt. Kein Lebenszeichen ist mehr auszumachen. Die bröckelnden Ruinen und die verwitterten Fassaden der Gebäude erzählen von einem gewaltsamen Ende.
Alles Leben oberhalb der Erdoberfläche ist ausgelöscht. Ein endloses Meer aus Sand und Schutt breitet sich aus, während der Himmel in einem unnatürlichen Grau erstrahlt, durchzogen von feinen Staubpartikeln, die sich in der Atmosphäre festgesetzt haben.
Unsere Fahrzeuge bewegen sich durch die verfallenen Vororte, gesäumt von Schutt und Metall. Die Luft ist staubtrocken, das Licht giftig. Überall sind die Spuren der Katastrophe sichtbar. Die Straßen sind übersät mit Trümmern und zerfallen zu staubigen Pfaden, die kaum noch erkennbar sind.
Zerbrochene Containerboote liegen wie gestrandete Wale entlang der verkrusteten Küste, ihre einst imposanten Rümpfe von Rost und Zeit zerfressen. Diese Relikte vergangener Handelsrouten und Wohlstandszeiten sind nun stumme Zeugen der Apokalypse. Wir fahren weiter, vorbei an zerfallenen Wohnhäusern, deren Fenster wie leere Augenhöhlen in die Leere starren.
Doch was wirklich ins Auge sticht, sind die gigantischen Überreste der ehemaligen Luxuskreuzfahrtschiffe, die die Piste säumen. Diese einst majestätischen Kolosse, Symbole von Reichtum und Exklusivität, liegen wie groteske Denkmäler des Untergangs in der Wüste; ihr Anblick ist schlicht überwältigend.
Wir fahren langsam durch diese bizarre, metallene, alptraumhafte Schluchten-Landschaft aus Stahlgiganten, ihre Schatten fallen lang und bedrohlich auf unseren Weg.
Überall sind Straßensperren errichtet, provisorische Barrikaden aus Schrott und Beton. Jede dieser Sperren wird von den Schakalen bewacht, den grausamen Herrschern dieser verfluchten Gegend.
Diese finsteren Gestalten belauern uns aus jeder Ecke, aus jedem Schatten. Ihre geifernden Gesichter sind ein ständiger Begleiter auf unserem Weg und das Gefühl der Gefahr ist allgegenwärtig.
Der Sand unter unseren Fahrzeugen knirscht wie zerbrochenes Glas, und die Hitze ist unerträglich, sie legt sich wie ein bleierner Mantel auf uns. Die Luft ist so trocken, dass jeder Atemzug schmerzt.
Eine gefühlte Ewigkeit bewegen wir uns von einer Straßensperre zur nächsten. Jede Sperre bedeutet Verhandlungen, Drohungen und die ständige Angst, dass ein falsches Wort oder eine falsche Bewegung unser Ende bedeuten könnte.
Je näher wir dem Grenzposten zum großen Graben kommen, desto düsterer und bedrückender wird die Atmosphäre. Die Luft scheint schwerer zu werden, und die Sonne verliert ihren Kampf gegen den dichten Schleier aus Staub, der sich über die Landschaft legt.
Der Grenzposten erstreckt sich über eine verfallene Landschaft, in der die Reste einer vor langer Zeit beeindruckenden militärischen Struktur stehen. Hohe, rostige Metallzäune, die mit Stacheldraht bekrönt sind, umgeben das Gebiet, während schwere Betonbarrikaden den Zugang blockieren. Verlassene Wachtürme, teils eingestürzt, stehen wie stumme Wächter entlang der Strecke.
Ihre Silhouetten zeichnen sich düster gegen den grauen Himmel ab, als ob sie immer noch versuchen, die Überreste einer längst vergangenen Ordnung zu bewachen.
Die Spannung in der Luft ist greifbar, verstärkt durch das leise Knarren des Metalls im Wind und das gelegentliche Klicken von Geigerzählern, das auf die erhöhte Strahlung hinweist.
Warnschilder, teils verblasst, teils neu, mahnen zur Vorsicht und kündigen drakonische Strafen für jeden Versuch an, die Grenze illegal zu überqueren.
Unser Konvoi hält an, als eine Gruppe von Schakalen aus den Schatten der Ruinen tritt. „Widerliche Kerle,” spuckt Bajar verächtlich aus, und wir öffnen die Cargo-Box des Trucks und wuchten mehrere Kisten Schnaps heraus. Die Schergen dieses Ortes mustern uns mit kalten, berechnenden Blicken. Mauler, der Anführer der Gruppe, nickt nur knapp.
„Das ist für Euch,” sagt Enkh mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldete. „Lasst uns durch.”
Die Schakale schleichen um unsere zwei Trucks, wie hungrige Hunde, als der Anführer einen weiteren Blick auf die Kisten wirft und schließlich ein grimmiges Grinsen aufsetzt. „Ihr könnt passieren,” raunt Mauler, und seine Stimme klingt wie das Kratzen von Metall auf Metall. „Wir werden uns verdammt bald wiedersehen, das verspreche ich dir.”
Mit einem letzten Blick auf die verfallenen Überreste von Nouadhibou und die finsteren Gestalten der Schakale setzen wir unsere Reise fort. Die Kettenfahrzeuge graben sich wieder in den Sand, wir lassen den Grenzposten hinter uns und treten den Weg in die ungewisse Zukunft an.
Vor uns liegt der große Graben, ein Abgrund, der sowohl Hoffnung als auch Verzweiflung in sich birgt. Und uns ist bewusst, dass die wirkliche Herausforderung erst noch bevorsteht.
Thx for reading.